Definitionen von Gewalt in intimen Beziehungen
Gewalt in Partnerschaften, auch häusliche Gewalt genannt, ist Gewalt, die eine Person durch eine nahestehende Person erfährt, die mit ihr verwandt oder verbunden ist, wie z. B. Ehepartner, Kind, Elternteil, Stiefvater, Geschwister oder Erziehungsberechtigte. Ein „Partner“ kann ein aktueller oder ehemaliger Ehemann/Ehefrau, Freund/Freundin oder Lebensgefährte sein. Opfer und Täter müssen nicht zusammenleben oder verheiratet sein, damit die Gewalt als Gewalt in Partnerschaften eingestuft wird. Gewalt in Partnerschaften muss nicht auf die Wohnung des Täters oder Opfers beschränkt sein.
Körperliche Gewalt
Körperliche Gewalt liegt vor, wenn körperliche Gewalt gegen eine andere Person angewendet wird, unabhängig davon, ob körperliche Schäden entstehen oder nicht. Körperliche Gewalt liegt auch vor, wenn die körperlichen Bedürfnisse der Person unterdrückt werden. Häufig folgt körperlicher Gewalt auf eine schon länger bestehende emotionale Gewalt.
Ein Beispiel für körperliche Gewalt in einer intimen Beziehung kann sein, wenn Ihr Partner:
- Dich als Geisel halten.
- Verhindert, dass Sie sich ernähren.
- Verhindert, dass Sie richtig schlafen.
- Sie werden beispielsweise mit einem Messer, Gürtel, einer Waffe oder einem stumpfen Gegenstand verletzt.
- Verhindert die Einnahme notwendiger Medikamente.
- Tritt/schlägt gegen Gegenstände, wirft und/oder beschädigt Gegenstände.
- Verhindert, dass Sie gehen und/oder kommen können, wann Sie möchten.
- Schläge, Faustschläge, Stöße, Kratzer, Bisse, Ohrfeigen, Kneifen, Tritte, Haareziehen, Stoßen, Verbrennen, Ertränken, Würgen oder Packen an der Kehle.
Psychischer Missbrauch
Emotionaler Missbrauch kann verbal oder körperlich erfolgen. Die Kommunikation ist oft von Demütigung geprägt und dient in der Regel dazu, Kontrolle oder Autorität über die andere Partei zu erlangen.
Ein Beispiel für emotionalen Missbrauch in einer intimen Beziehung kann sein, wenn Ihr Partner:
- Schreit dich an.
- Nominiert Sie.
- Erniedrigt dich.
- Sie werden bedroht und/oder eingeschüchtert.
- Nennt Sie verrückt/wahnsinnig.
- Bringt Ihnen etwas über ihr Verhalten und Wohlbefinden bei.
- Isolieren Sie sich von Freunden und Familie.
- Vertraut Ihnen nicht, Entscheidungen zu treffen.
- Man hat das Gefühl, in der Beziehung festzustecken.
- Trauen Sie sich nicht, in der Nähe von Menschen des anderen Geschlechts aufzutreten.
- Verfolgt Ihre Bewegungen – behält Sie im Auge.
- Man hat das Gefühl, dass Gewalt bevorsteht.
- Kritisiert Sie und/oder schmälert Ihre Leistungen oder Ihre Arbeit.
- Gibt einem das Gefühl, dass man ihn wirklich braucht.
- Ist unter dem Einfluss von Alkohol/Drogen beleidigend/verletzend.
- Benutzt Alkohol/Drogen als Vorwand, um beleidigende/verletzende Dinge zu sagen.
- Sie ständig zu belästigen, zum Beispiel mit Nachrichten, Telefonanrufen und/oder Besuchen.
- Bereit, Ihnen „etwas beizubringen“, indem er Ihnen beispielsweise verbietet, nach einem Streit Hilfe zu suchen.
- Erniedrigt Sie und macht sich über Sie lustig, ob in der Öffentlichkeit, vor Freunden/Familie oder wenn Sie nur zu zweit sind.
Sexuelle Gewalt
Tritt auf, wenn eine Person gegen ihren Willen und ohne ihre Zustimmung zu sexuellen Handlungen gezwungen wird. Die Gewalt kann sich auch in sexueller Belästigung, Druck, Nötigung und Drohungen äußern, beispielsweise in der Androhung sexueller Bilder.
Finanzielle Gewalt
Finanzieller Missbrauch ist eine Möglichkeit, einen Partner über die Finanzen zu kontrollieren.
Ein Beispiel für finanziellen Missbrauch in einer intimen Beziehung kann sein, wenn Ihr Partner:
- Verbietet Ihnen die Arbeit.
- Nimmt Ihnen Ihr Gehalt ab.
- Gibt dir Geld.
- Registriert Schulden bei Ihnen, aber Vermögenswerte bei sich selbst.
- Hindert Sie an der Berufswahl.
- Zerstört absichtlich Ihre persönlichen Gegenstände.
- Informationen über Ihre finanzielle Situation werden Ihnen vorenthalten.
- Gibt gemeinsames Geld für unnötige Dinge wie Alkohol/Drogen oder seine eigenen Hobbys aus, ohne Sie zu konsultieren.
Digitale Gewalt
Ist dies der Fall, wenn Gewalt durch den Einsatz von Technologie ausgeübt wird, beispielsweise durch das Senden von Nachrichten über soziale Medien, Telefon oder E-Mail.
Ein Beispiel für digitale Gewalt in einer intimen Beziehung kann sein, wenn Ihr Partner:
- Registriert sich in sozialen Medien unter Ihrem Namen.
- Steuert, wer beispielsweise auf Facebook Ihr Freund sein kann und wer nicht.
- Verfügt über Informationen zu Ihrem Standort, beispielsweise über Ihr Telefon.
- Steuert, mit wem Sie über soziale Medien oder am Telefon sprechen können.
- Sendet Ihnen sexuelle Nachrichten und drängt Sie dazu, ihm sexuelle Nachrichten zu schicken.
- Setzt Sie unter Druck, ihm Nackt-/Sexfotos und/oder -videos von Ihnen zu schicken.
- Überprüft regelmäßig Ihr Telefon und prüft Fotos, Nachrichten und den Anrufverlauf.
- Sendet Ihnen gegen Ihren Willen Nackt-/Sexfotos und/oder Videos von sich.
- Sendet ständig Nachrichten über Telefon/soziale Medien und/oder ruft ständig an.
- Droht, schlecht über Sie zu reden oder Gerüchte zu verbreiten, beispielsweise per Telefon oder Messaging-App.
- Fordert Ihre Passwörter zur Anmeldung bei sozialen Medien oder Bankkonten an.
- Droht, Nackt-/Sexfotos und/oder -videos von Ihnen öffentlich zu posten oder an Verwandte, Freunde oder Kollegen zu senden.
Folgen von Gewalt
Wer Gewalt erfährt, egal in welcher Form, erlebt auch die Folgen. Diese können jederzeit, manchmal sogar erst lange danach, eintreten.
Zu den häufigsten Folgen zählen Schlaf- und Appetitstörungen, Angst, Scham, Schuldgefühle, Selbstzweifel, Stimmungsschwankungen und geringes Selbstwertgefühl. Betroffene können auch unter posttraumatischen Belastungsstörungen, Angstzuständen, Depressionen und Selbstmordgedanken leiden.
All dies sind natürliche Folgen der anormalen Situation einer missbräuchlichen Beziehung.
Die Folgen von Gewalt können vielfältig und unterschiedlich schwerwiegend sein und sowohl die psychische als auch die physische Gesundheit der Betroffenen beeinträchtigen. Daher ist es wichtig, sich über die verfügbaren Ressourcen zu informieren und Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Verschiedene Formen und Erscheinungsformen von Gewalt in intimen Beziehungen
Bitte beachten Sie, dass die folgende Zusammenfassung lediglich einen kurzen Überblick über die Beschreibungen, Beispiele und Folgen verschiedener Gewaltformen bietet. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll lediglich einen Eindruck von den Arten von Gewalt und ihren Folgen vermitteln. Häufig kommt es zu Überschneidungen zwischen den Gewaltformen. So ist beispielsweise körperliche Gewalt auch psychische Gewalt. Auch sexuelle Gewalt ist in den meisten Fällen körperlicher Natur.
Zahlreiche Aufklärungsmaterialien zum Thema häusliche Gewalt sind online verfügbar. So gibt es beispielsweise mehrere Forschung auf Isländisch zu häuslicher Gewalt.

